Das Schwarze Holz by Tobias Könemann

Das Schwarze Holz

Klappentext / Inhalt

„Baudelaire? Baudelaire! Dieser samtweiche Franzose! Seine Blumen liegen unter meinem zu kurzen Tischbein! Zu etwas anderem taugen sie nicht. Dunklen Boden mit den Fußspitzen zu berühren, so als ob man die Temperatur eines zu kalten Bades misst, macht einen Menschen noch lange nicht zu einem Vordenker! Es gibt entweder das Schöne oder das Hässliche! Das Gute oder das Böse! Ich will das reinste Böse und Hässliche einfangen! Ohne dabei einen Krüppel zu erzeugen, der sich ohne fremde Hilfe nicht auf den eigenen Beinen halten kann. Keinen Bastard, durch den ich gezwungen werde, mich zu bücken und zu beugen.“

In sieben illustrierten Kurzgeschichten bewandert der Mainzer Künstler Tobias Könemann die trostlosen Karstlandschaften menschlicher Psyche; vorbei an all den Wegkreuzen, an welchen sich schon Hoffmann, Poe, Schopenhauer und Nietzsche ihrer ärgsten Druckgeister entledigten; stets den Höllenschlund conditio humana im Blick. Beklemmung und Desillusion sind es, welche Könemanns Nachtstücke verdunkeln; ihrem schwarzromantischen Schauer liegt eine gespenstische Einsicht zu Grunde: „Das Schwarze Holz“ ist der verkohlte Scheiterhaufen des Fortschrittsoptimismus.

Quelle: (Klappentext, Pandämonium-Verlag)

Inhalt:
Kommen Sie mit auf eine Reise durch die verschiedensten Erscheinungsformen der menschliche Psyche. Begegnen Sie der Trotslosigkeit, der Hoffnungslosigkeit, Desillusionen und vieles mehr.  Treten Sie ein in eine Welt des gescheiterten Fortschrittoptimismus.


Meine Einschätzung

„Es gibt entweder das Schöne oder das Hässliche! Das Gute oder das Böse! Ich will das reinste Böse und Hässliche einfangen!“
Zitat vom Klappentext übernommen 

„Das Schwarze Holz“ ist eine recht anspruchsvolle und zum Nachdenken anregende Anthologie mit sieben Kurzgeschichten über die verschiedensten Erscheinungsformen der menschlichen Psyche im negativen Sinne. Das Besondere an dieser Anthologie ist, dass jede Kurzgeschichte mit einem interessanten Gedicht eingeleitet wird, aber auch die einzelnen Geschichten mit passenden Illustrationen des Autors selbst, da er auch Künstler ist, ausgeschmückt sind.

Wie dem Zitat zu entnehmen ist, will der Autor den Leser nicht durch das Aufzeigen von schönen Dingen unterhalten und zum Träumen verführen, sondern ihm die knallharte Wahrheit vor Augen führen. Er will ihm die Illusionen und den Optimismus über eine bessere und friedvolle Welt sowie über den Fortschritt der Menschen in allen Bereichen mit allen Vor- und Nachteilen nehmen und den bereits schon vorhandenen pessimistischen Ansichten über das hier und Jetzt und auch der Zukunft eine Bühne in seinem Werk bieten. Hierbei verdeutlicht er, dass der Mensch selbst für alles Übel und Böse verantwortlich ist. Denn sein Wille, seine egoistischen, zerstörischen und sogar auch selbstzerstörischen Triebe und Instinkte sowie seine Sehnsucht und Gier nach Macht siegt in den meisten Fällen über Vernunft und Verstand und stellen die Gründe menschlichens Handelns dar, sei es bewusst oder unbewusst. Während der Mensch in anderen literarischen Werken in Träumen zu sich selbst findet, sich im Einssein mit der Natur befindet und Erlösung und Hoffnung bekommt, wird er in „Das Schwarze Holz“ fallen gelassen und hoffnungslos mit den eigenen Ängsten zurückgelassen. Für den Menschen gibt es keine Erlösung, denn er ist das „Böse“. Trotz aller Bemühungen kann der Mensch weder dem Tod entkommen, muss sich seinen Ängsten stellen und besitzt erst Recht keine Kontrolle über die Welt und der Natur, da er ja noch nicht einmal Kontrolle über sich selbst besitzt.

Obwohl der Autor hier die düstere Seite der menschlichen Seele und die ungern gesehene Wahrheit aufzeigt, ist es eine wirklich ansprechende, interessante und spannende Anthologie. Denn schon nach wenigen Worten und Sätzen kristalliert sich der besondere, poetische und einzigartige Stil des Autors heraus. Nicht nur die vom Autor gut gewählten Worte, die zusätzlich zum poetischen Schreibstil, ein hohes sprachliches Niveau erzeugten, sondern auch die Komplexität der Geschichten und ihre Tiefe, haben diese Anthologie zu einer niveauvollen und anspruchsvollen Literatur werden lassen. Denn wie sagt man so schön, der Zauber liegt hier besonders in den Worten, die zum Nachdenken, Interpretieren und Spekulieren anregen und auffordern. Er schafft es eine sehr düstere und beklemmende Atmosphäre herzustellen und den Leser immer tiefer ins Geschehen und in die Trostlosigkeit zu ziehen. Doch um die Messages der einzelnen Storys zu verstehen, muss der Leser sich voller Hingabe in die Ereignisse hineinversetzen und sich für die radikale und nicht gern gesehene Wahrheit des menschlichen Daseins öffnen.

Wie in jeder Anthologie sind die Geschichten hier sehr facettenreich und unterschiedlich, so dass es immer vorkommen kann, dass man die einen großartig findet und andere wiederum einen überhaupt nicht ansprechen. Ich persönlich fand, dass jede Geschichte dieses Etwas hatte, was einem gefallen hat. Aber besonders beeindruckt hat mich die Story „Der Studiosus“, die sich auch fest in mein Gedächtnis gebrannt hat.


Fazit / Wertung

„Das schwarze Holz“ ist eine tolle, interessante, ansprechende und facettenreiche Anthologie, die die knallharte Wahrheit des menschlichen Daseins insbesondere der menschlichen Psyche aufzeugt und Werte hinterfragt. Mit gewählten Worten hält der Autor dem Leser symbolisch „den Spiegel vors Gesicht“ und regt zum Nachdenken und Insichkehren an.  Trotz der pessimistisch veranlagten und düsteren Thematik, konnte der Autor mich mit seinem einzigartigen und poetrischen Stil verzaubern, sogar in seinen Bann ziehen. Man erlebt die Trostlosig- und Hoffnungslosigkeit förmlich am eigenen Leib und kann ihr einfach nicht entkommen. Sie umschlingt dich, fesselt dich, ja sie zehrt förmlich von dir.

„Das Schwarze Holz“ ist eine sehr niveauvolle und anspruchsvolle Anthologie, für die man sich Zeit nehmen sollte, um alle Geschehnisse in Bildern zu verarbeiten und zu genießen und die Messages hinter den Geschichten zu deuten und zu verstehen. Besonders überragend sind auch die Illustrationen, die vom Autor selbst stammen und die düstere Atmosphäre förmlich wiederspiegeln.

Die Geschichten aus „Das Schwarze Holz“ sind genauso düster wie meine Seele und Laune an schlechten Tagen und besonders an ganz schlechten Tagen 😉

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Zur Info:
Meine Wertungspunkte vergebe ich in Totenköpfen von 1-10, wobei 1 sehr schlecht und ununterhaltsam und 10 entsprechende sehr empfehlenswert und unterhaltsam ist.

Zu guter Letzt bedanke ich mich recht herzlich bei dem Pandämonium Verlag und insbesondere bei Uwe Siebert für die Zurverfügungstellung eines Rezensionsexemplars und dem damit mir gegenüber entgegengebrachten Vertrauen.
Diese Tatsache beeinflusst aber in keinster Weise mein persönliches Leseempfinden.

 

Produktinformation

  • Taschenbuch: 112 Seiten
  • Verlag: Pandämonium Verlag; Auflage: 1 (5. Dezember 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3944893136
  • Größe und/oder Gewicht: 14,6 x 1,2 x 21,3 cm
  • Preis: 9,95 €

Quelle: Pandämonium-VerlagAmazon)

 

Über den Autor

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Tobias Könemann, 1985 in Minden geboren,  bewegt sich freiberuflich im Bereich der Kunst und Musik. Seine große Passion gilt hierbei der traditionellen Malerei und Illustration. Auch wenn die einzelnen Arbeiten vorwiegend eine dunkle, alptraumhafte Atmosphäre erzeugen, können diese nur schwer in ein bestimmtes Genre eingeordnet werden.

Im Pandämonium-Verlag arbeitete er bereits an mehreren Buchgestaltungen und Illustrationen mit.

Anfang 2014 erschien sein Debut „Aus Tod wird Heimat“ im Pandämonium Verlag.

Tobias Könemann – Offizielle Homepage (Wo auch einige Gemälde, Illustrationen und Coveranfertigungen als hochwertige Drucke in verschiedenen Größen bestellt werden können).

Quelle: (wortwörtlich übernommen von Pandämonium-Verlag)
Fotoquelle: (http://www.pandaemonium-verlag.de/autoren/tobias-k%C3%B6nemann/)

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