Friedhof der Kuscheltiere – Stephen King Aktion TEIL 2

Das Gewinnspiel 

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Was wäre denn eine solche Aktion ohne ein Gewinnspiel?! Mit freundlicher Unterstützung und in Kooperation von Paramount Pictures durften wir 5 Friedhof der Kuscheltiere-Pakete verlosen. Da der erste Platz auch zwei Kinogutscheine für den Film gewinnen konnte, haben wir uns etwas einfallen lassen und unseren Teilnehmern es damit nicht so leicht gemacht. Denn jeder, der eins der Pakete gewinnen wollte, musste seiner Kreativität und Fantasie freien Lauf lassen und eine Kurzgeschichte von max. einer DIN A4 Seite einreichen.


Hier findet ihr den Ablauf bzw. die Anforderungen zu diesem Schreibwettbewerb:

Start der Aktion: 26.03.2019 20:13 Uhr
Ende der Aktion 04.04.2019 um 23:59 Uhr
Maximallänge der Kurzgeschichte: eine DIN A4 Seite
Die Kurzgeschichte muss einen Namen haben .
Schriftart : Arial oder Times New Roman
Schriftgröße: 12
Zeilenabstand:  max. 1 cm

Es sollte eine Horror-, Mystery-, Grusel-, Schauer- oder ähnliche Geschichte sein.

Folgende Wörter MÜSSEN in der Kurzgeschichte vorkommen:

Friedhof, Kuscheltiere, Katze, Stephen und King.

Wie Ihr diese Wörter in der Geschichte unterbringt bzw. einbaut, bleibt Euch überlassen.

WICHTIG!!: Es darf nichts aus dem Buch oder dem Film geklaut oder kopiert werden!! Inhaltsähnliche Sätze etc. führen ebenfalls zur Disqualifikation!!

WICHTIG!!!: Bitte gebt Eure Facebooknamen an, sonst können wir die Gewinner nicht preisgeben!

Die Bildrechte am Cover und dem Poster sowie von der Filmgesellschaft veröffentlichte Texte und Zitate unterliegen Paramount Pictures und deren Partner. Die Rechte der Bilder, die von uns während dieser Aktion erstellt werden, liegen bei uns.

Infos zur Auslosung:
Es gibt eine sechsköpfige Jury bestehend aus 2 Mitarbeitern der Buchhandlung Kottmann, einem Autor, einer literaturbegeisterten Personen und uns von Thrill and Blood.

Jedes Jurymitglied wird sich jede eingereichte Kurzgeschichte durchlesen und mit einer Note von 1-10 bewerten (1 = Schlecht – 10 = Super Geil). Da die Jury aus 6 Personen besteht, bekommt somit jede Geschichte 6 Bewertungen. Für die Auslosung der Preise werden die Punkte aller Jurymitglieder für eine Geschichte zusammengezählt. Dies erfolgt bei jeder eingereichten Kurzgeschichten. Am Ende gewinnen dann natürlich die 5 Geschichten mit den meisten Punkten .

Mit der Einreichung der Kurzgeschichte übertragt ihr Thrill an Blood das Recht die Kurzgeschichte, so wie ihr sie eingereicht habt, dauerhaft zu veröffentlichen. Die Rechte an der Geschichte liegen aber immer noch bei Euch . Und keine Angst, es werden keine schlechten Geschichten, sollten es solche überhaupt geben, veröffentlicht.

Am Sonntag den 07.04.2019 voraussichtlich zwischen 18:00 und 19:00 Uhr werden wir die Gewinner in der Buchhandlung Kottmann bekannt geben. (Live Stream natürlich hier auf Thrill and Blood).

Es werden 5 Gewinnerplätze geben. Sollte es einen Punktegleichstand geben zB. zwei vierte Plätze, gibt es auch nur 4 Plätze. (zB. 2x Platz 4).

Sollte es aber mehrere erste Plätze geben (weil der 1. Platz ja zusätzlich die Kinokarten bekommt) entscheidet das Los. (Live im Stream)

WICHTIG!: Die Rechte der Geschichte bleiben natürlich bei Euch, aber mit der Teilnahme erlauben uns die 5 Gewinner Ihre Geschichte auf unserer Facebook-Seite Thrill and Blood oder/und unserer Homepage dauerhaft zu veröffentlichen.

Natürlich müssen ALLE Teilnehmer Fan unserer Seite Thrill and Blood sein .


Am Ende haben 32 mutige und kreative Köpfe eine Geschichte eingereicht. Welche Geschichten die 5 besten Geschichten nach Gesamtzahl der Jury-Miglieder war könnt ihr im folgenden Live-Video sehen und anschließend auch die Geschichten nachlesen :

zu sehen auch auf Facebook – Thrill and Blood


Gewinnergeschichten:

 

  1. Platz: Das Geheimnisvolle Mädchen – Nicole Renner

    „Komm mit mir“, sagte die schemenhafte Erscheinung und streckte mir lächelnd die Hand entgegen. Ein geheimnisvoller Nebel umgab das Mädchen und es schien, als würde sie von innen heraus leuchten. Im anderen Arm hielt sie ein Stofftier, einen kleinen Affen. „Das ist King Louie, der aus dem Dschungelbuch. Kennst du den?“, grinste sie und hielt ihn hoch, direkt vor meine Nase. Ich nickte. „Komm, wir haben noch ganz viele Kuscheltiere, auch eines für dich. Ich bin Emily.“ Trotz einiger Zweifel nahm ich ihre Hand und ließ mich von ihr leiten. Unser Weg führte einen einsamen Waldweg entlang. Es war stockdunkel, nur das seltsame Schimmern des Mädchens und der nahezu volle Mond warfen ein seichtes Licht auf den Weg. Wir erreichten eine Lichtung und in etwas Entfernung spiegelte sich der Mond in einem See. Die Gegend strahlte eine unsagbare Ruhe und Geborgenheit aus, obwohl es mich eigentlich hätte gruseln müssen. Als wir ein Stück um den See gelaufen waren, tauchte plötzlich ein alter Friedhof aus der Dunkelheit auf. „Hier entlang“, sagte Emily und deutete quer über den doch ziemlich unheimlich anmutenden Totenacker. Obwohl ich mich immer mehr fragte, was unser eigentliches Ziel sein würde, ging ich weiter und grübelte, denn irgendwie kam mir dieses Mädchen bekannt und vertraut vor. Doch egal wie sehr ich auch versuchte mich zu erinnern, es gelang mir nicht. Auf unserem Weg über den alten aber genau so schön anmutenden Gottesacker bekamen wir Gesellschaft von einer schwarzen Katze. Sie begleitete uns eine ganze Weile, bis wir an einer großen uralten Kirche ankamen. Durch die riesigen Buntglasfenster schien Licht und ich erwartete eine Messe. Die Katze lief voraus und rieb sich schnurrend an der riesigen, schweren Eingangstüre. Ehrfürchtig und so leise es ging öffnete ich die gewaltige Türe und staunte nicht schlecht. Es wurde keine Messe abgehalten und es brannte auch kein Licht in der Kapelle. Nein, die Kirche war voll mit Gestalten wie Emily und alle hatten dieses geheimnisvolle Strahlen, welches das Kircheninnere sanft erhellte. Die Katze wie auch Emily waren bereits hineingelaufen und hatten sich unter die Leute gemischt. Langsam und bedächtig trat auch ich ein. Ein älterer Mann, der fast durchsichtig zu sein schien, hielt mir ein Kuscheltier hin. Eine kleine Fledermaus. „Hier, für dich. Fledermäuse sind doch deine Lieblingstiere, oder?“, brummte der Alte mich an, lächelte aber dabei. Ich nickte, nahm sie an mich, bedankte mich und ging weiter in die Kathedrale hinein. Alle redeten und lachten durcheinander und wären wir nicht in einer Kirche hätte man denken können, hier sei eine Party im Gange. Auch hier, mitten unter ihnen, hatte ich das unbehagliche Gefühl einige dieser Leute zu kennen. Emily kam lachend auf mich zu „Oh, toll, du hast dein Stofftier bekommen“, freute sie sich. Plötzlich blitze es hell auf und grelles weißes Licht blendete mich stetig, so dass ich nichts mehr sehen konnte. Es tat fast schon weh in den Augen und ich musste unweigerlich blinzeln. Aus weiter Entfernung hörte ich eine Stimme. Sie rief irgendwas. Ich versuchte es zu verstehen und konzentrierte mich darauf. „Hey. Hallo, Doreen, hallo, bleiben Sie bei mir.“ Die Worte wurden langsam deutlicher und ich nahm eine schemenhafte Gestalt direkt vor mir war. Bei ihr war es anders als bei Emily. Sie strahlte nicht von innen heraus, sondern unterbrach das weiße grelle Strahlen der Umgebung. Nach und nach wurde alles klarer. „Wo, wo bin ich?“, fragte ich mit schwacher Stimme. „Hallo Doreen. Ich bin Pfleger Stephen. Sie sind in einem Krankenhaus.“, antworte mir die Gestalt. Ich war plötzlich hellwach und konnte alles um mich herum wieder klar und deutlich erkennen. „Wie komme ich hierher?“, wollte ich wissen. Stephen antwortete: „Sie hatten einen schweren Autounfall. Wir mussten Sie zehn Minuten reanimieren. Danach lagen Sie vier Tage im Koma. Wir dachten schon, wir würden sie auch verlieren.“ „Wieso auch?“ Ein Kloß bildete sich in meinem Hals. „Na ja, Doreen, ich muss Ihnen leider mitteilen, dass Ihr Mann Sascha und Ihre Tochter Emily den Unfall leider nicht überlebt haben. Es tut mir unendlich leid“. Stephen hielt meine Hand. Fassungslos und völlig geschockt fing ich an zu weinen. Dabei drehte ich meinen Kopf zur Seite und da lag sie. Eine kleine Stofftier-Fledermaus.

2. Platz: Nightmares – Benyamen Cepe

Es läuft immer nach demselben Schema ab. Ich liege im Bett und werde durch ein Poltern geweckt. Was ich als erstes wahr nehme ist der riesige Vollmond, der durchs Fenster scheint. Mein Zimmer ist dadurch auf eine unheimliche Weise erhellt. Alles wirkt irgendwie gespenstisch auf mich und noch bevor etwas passiert, bekomme ich es mit der Angst zu tun. Und dann steht da noch dieses kleine Mädchen. Obwohl sie mir freundlich zulächelt, schürt ihre bloße Anwesenheit die Panik, die gerade in mir hochsteigt.

Verschwinde“, knurre ich halblaut. Ich konnte Kinder noch nie leiden. Sie waren in der Lage einen in den Wahnsinn zu treiben mit ihrem Gebrüll. Ich drehe mich weg und im nächsten Augenblick packen mich zwei Hände und zerren mich hoch. Das Gesicht des Mädchens ist jetzt verzerrt vor Wut und Hass. Es signalisiert mir mitzukommen doch ich reiße mich los. Die Kleine fängt an zu fauchen und schleudert mich mit einer einzigen Bewegung aus dem Bett und gegen die Wand. Meine Nase blutet und ich spüre eine kleine Hand im Nacken, die entschlossen zupackt. Als ich zur Seite sehe, schnippt dieses Biest mit den Fingern und ich finde mich auf einem Friedhof wieder. Mir ist kalt und schwindelig. Meine Hände umfassen meinen nackten Oberkörper um ihn warm zu reiben, aber es hilft nicht sonderlich viel. Ich zittere und meine Jogginghose ist blutverschmiert. Ich sehe mir die Kleine etwas genauer an und sie kommt mir jetzt irgendwie bekannt vor. Ist das Mandy? Unmöglich, Mandy war seit über einem Jahr tot. Mein Herz setzt für einen Schlag aus und rast umso schneller, als ich erkenne, dass vor mir lauter Mädchen stehen. Bei genauerer Betrachtung erkenne ich einige sogar wieder. Vorne links steht Audrey, daneben Sandra, die ihre Kuscheltiere dabei hat. Eine Katze und einen Löwen. Celina und ihre ältere Schwester Klara stehen auch da. Verflucht was ist hier los denke ich und bin unfähig etwas zu sagen. Meine Augen weiten sich vor Schreck. Diese Gören bilden einen Halbkreis und Mandy schubst mich darauf zu. In meiner Panik stoße ich sie weg und sie fällt. Ich sehe meine Chance und laufe los, doch meine Beine sind schwer wie Blei. Außerdem taucht eine Sekunde später Mandy wieder vor mir auf und verpasst mir einen Schlag auf die lädierte Nase. Mit einem Aufschrei gehe ich zu Boden und halte schützend die Hände hoch. Warmes Blut befleckt von neuem mein Gesicht und die graue Jogginghose. Woher nimmt Mandy nur diese Kraft, frage ich mich. Sie beugt sich nach unten, verschränkt ihre Hand mit meiner und schnippt wieder mit den Fingern. Jetzt befinde ich mich im Halbkreis, umgeben von meinen ehemaligen Opfern. Sie flüstern meinen Namen. Immer und immer wieder. „Stephen, Stephen, Stephen.“ Und während sie meinen Namen hauchen fangen sie an, auf mich einzuschlagen und zu treten. Der Vollmond spiegelt sich in ihren hasserfüllten Augen wieder und meine Schreie gehen im höhnischen Gelächter der Mädchen unter. Das ist der Moment, in dem ich erwache. Bis ich realisiere, dass ich mich in meiner Gefängniszelle befinde, vergehen ein paar Minuten. Mein Herz pocht wie verrückt und ich sehe weiße Punkte vor meine Augen tanzen, weil mein Kreislauf verrückt spielt. Für mich war das Töten eine Art Hobby. Ich fühlte mich wie der King, wenn ich der Peiniger sein konnte. Doch jetzt selbst das Opfer zu sein, auch wenn es nur in meinen Träumen geschieht, halte ich kaum aus. Ich warte auf meine Hinrichtung und bis dahin werden mich diese Mädchen zu Tode prügeln. Nacht für Nacht.

3. Platz: King Of Death – Sebastian Wotschke

Die Aufregung und die Sorgen, die sich die menschliche Spezies – und ausschließlich die menschliche – um den Tod, das Sterben, das unvermeidliche Schicksal allen Lebens auf diesem Planeten und mit ziemlicher Sicherheit auch im gesamten Universum macht, erschien Stephen schon immer absurd. Er empfand den Tod nie als ein Ende, sondern als einen Neubeginn, einen Wechsel in einen anderen Zustand des Seins. So war Stephen auch zur Überraschung seiner besorgten Eltern nicht traurig, als er im zarten Alter von sieben Jahren seine alles geliebte Katze Blacky verlor. Überfahren von einem betrunkenen Hartz IV-Anwärter, der mit 80 Sachen durch eine verkehrsberuhigte Zone bretterte. „Auf Bald, Blacky“, flüsterte er seiner Katze, oder dem blutigen Klumpen, der von ihr übriggeblieben war, ins Ohr.

Je älter Stephen wurde, desto absonderlicher erschien sein Verhalten in den Augen seiner Familie und seiner Mitmenschen. Den Einladungen seiner Freunde, sie ins nächste Freibad zu begleiten und heimlich Fotos von der Schulschönheit Ricarda Bachman im Bikini zu schießen, lehnte er freundlich aber entschieden ab. Seine Freizeit verbrachte er am liebsten auf dem Friedhof, der nur wenige Gehminuten von seinem Haus entfernt war. Er legte sich neben die Gräber, genoss die Ruhe und die frische Luft und stellte sich seinen Körper vor, wie er eines Tages faulend in der Erde liegen wird. Ein Festmahl für die Maden. Das ging so lange gut, bis man ihm ein lebenslanges Hausverbot erteilte. Glücklicherweise nur lebenslang, dachte Stephen gleichgültig und suchte sich einen anderen Friedhof.

Als sich seine Freunde von ihm lossagten, fand er schnell neue: Ratten, Igel, Eichhörnchen – völlig egal, hauptsache gestorben. In dem Keller seines Hauses baute Stephen diesen meist überfahrenen Tieren eine Art Altar und dokumentierte schriftlich und fotografisch die Entwicklung ihrer Verwesung. Er nannte es sein Kabinett der Kuscheltiere und war überglücklich, bis sein Vater diese Obskurität entdeckte, sämtliche Tiere entsorgte und seinem Sohn nach allen Regeln der Kunst den Arsch versohlte. „Ich werde dir Vernunft einbläuen, zu Not mit Gewalt!“, schrie er ihn an.

In der Oberstufe nannten ihn seine Schulkameraden den King of Death und mieden ihn, so gut es ging, außer um ihn ab und an zu treten, die Treppe hinunterzustoßen oder anzurotzen.

Stephen war traurig.
Stephen war unglücklich.
Stephen war allein.

Doch dann, eines Tages, traf er sie. Sie, die neue Mitschülerin: Dolores. Eine leichenblasse Schönheit, mit schwarzgefärbten Haaren, tiefdunklen Augenringen und von hagerer Gestalt. Beide verband die Liebe zur Verwesung, zur Dunkelheit – zum Tod. Schnell fanden Stephen und Dolores zueinander. Gemeinsam verbrachten sie jede freie Minute, sahen sich Horrorfilme an, knutschten leidenschaftlich auf frischen Gräbern herum oder streichelten Tierkadaver im Wald. Doch als sie das erste Mal miteinander schliefen, konnte Dolores ihre Enttäuschung nicht verbergen. Ihr fehlte der Kick, das Besondere. Stephen wusste sofort, was zu tun war. Beim zweiten Mal begann er ihr mit einem Messer tiefe Wunden zuzufügen. Dolores wurde immer wilder, immer ekstatischer, bis Stephen ihr ins Herz stach und sie einen Orgasmus bekam. „Ich liebe dich“, hauchte sie, bevor ihr Lebenslicht auf ewig erlosch. „Ich liebe dich auch“, erwiderte Stephen, der sich ganz fest an Dolores’ Leichnam kuschelte. Er strich ihr durchs Haar und flüsterte: „Niemand wird dich mir wegnehmen. Ich gebe dich nie wieder her.“

4. Platz: Krümelig – Steven Beckmann

Die Kinder wissen einen guten Keks gar nicht mehr zu schätzen. <<, sagt der alte Mann und rückt die Kekse auf dem Tisch zurecht. Dann lehnt er sich in seinem Sessel zurück und lächelt mich an.
Seine Stimme ist so unheimlich, wie der Klang unserer alten Kellertür. Ich gehe weiter ins Wohnzimmer hinein, das durch das flackernde Kerzenlicht unheilvoll und schaurig wirkt – genau wie das Gesicht des Alten.
>> Stephen? << Meine Stimme zittert, als ich meinen kleinen Bruder anspreche.
Er sitzt dem Alten in einem Sessel gegenüber. Seine Beine hängen in der Luft. Mehr kann
ich von ihm nicht erkennen.
>> Willst du noch einen Keks, Stephen? <<, fragt der Alte meinen Bruder und hält ihm
einen hin. Er klemmt zwischen seinen schmutzigen Fingernägeln. Die Hand meines Bruders taucht auf und greift danach.
>> Die sind echt gut. Meine Familie hat sie jahrzehntelang hergestellt. In der alten Fabrik,
die sich hinter der neuen Druckerei befindet. Iss einen King und fühl dich wie einer! Das
stand auf jeder Packung. Und die Leute sagten den Satz jedes Mal, wenn sie hinein griffen und einen King-Keks aßen. Doch dann änderten sich die Zeiten, wie es immer passiert. Die Leute kauften keine Kekse mehr. Nicht einmal die Kinder. Vermutlich starrten sie lieber in die Glotze und futterten Chips. Ich weiß nur, dass die Fabrik schließen musste und wir so arm wurden, dass sogar die Mäuse unserem Haus fernblieben, weil sie nicht mal mehr Krümel auf dem Boden fanden. <<
Der Alte rückt erneut die Kekse zurecht.
>> Nach und nach starb meine Familie. Ihre Körper waren ausgezehrt und ihre kranke
Haut umspannte ihre Knochen nur noch hauchdünn. Sie wurden alle auf dem Friedhof
hinter unserem Haus begraben. Meine Großmutter sogar mit ihrer Katze. So ein süßes
Kuscheltier, hat sie immer gesagt. Dabei fauchte sie jedem zu und kratzte, wenn man ihr
zu nah kam. Manchmal kann ich sie immer noch fauchen hören. <<
Ich lausche der Geschichte des Alten und schleiche dabei so unauffällig wie möglich auf
meinen Bruder zu. Sehe seine Beine, wie sie in der Luft schaukeln und höre, wie er einen Keks nach dem anderen isst. Als ich fast bei ihm bin, sieht der Alte mich an. Er kaut auf etwas herum und grinst.
>> Setz dich. <<, fordert er mich auf.
Ich nehme Platz, zwischen dem Alten und meinen Bruder, den ich im Schatten nicht sehen kann. Der Blick des Alten ist weiter auf mich gerichtet. Er wischt sich etwas aus dem Mundwinkel und kaut weiter.
>> Du solltest einen Keks zu schätzen wissen. So wie dein Bruder. Richtig, Stephen? <<
>> Ja! Nimm dir einen, die sind echt gut! <<, ertönt die freudige Stimme meines Bruders.
Er beugt sich in seinem Sessel vor und reicht mir einen Keks. Ich sehe seine kleine Hand, die den Keks hält. Sein Lächeln, das seine Pausbäckchen nach außen drückt.
>> Die sind wirklich gut! <<, wiederholt er.
Voller Entsetzen starre ich ihm in die Augen. Genauer gesagt, in seine leeren Augenhöhlen. Höre das Kauen des Alten, das zu einem lauten Schmatzen anwächst. Sie sind das Letzte, was ich in meinem Leben sehe. Die leeren, blutigen Augenhöhlen meines Bruders, der mir immer noch grinsend einen Keks anbietet … doch es sind die Krümel darin, die mich in den Wahnsinn treiben.

5. Platz: King der Kater – Flip Falsehair alias Silvia Vogt

Stephen liebte seinen Kater über alles. Da es sich um einen stattlichen Main-Coone-Kater handelte, gab er ihm den passenden Namen King. King und er waren so ein eingespieltes Team, dass dieser Stephen sogar jeden Tag an der Schule abholte. Diese lag nur ein paar wenige Minuten mit dem Rad entfernt. Die anderen Kinder fanden es seltsam, dass der Kater jeden Tag seinen Freund abholte. Stephen aber nahm ihn jedes Mal auf den Arm, knuddelte und küsste ihn und als Belohnung erhielt er einen nassen Nasenschlecker mit der rauen Zunge von King.

Ansonsten war Stephen in der Schule eher unbeliebt, da er ein ruhiger Junge war und die anderen ihn oftmals hänselten, gerade weil er von einer Katze abgeholt wurde. Sie nannten ihn Muschi-Man oder Pussy-Flüsterer. Das alles nagte sehr an ihm und er weinte fast jeden Tag in das kuschelige Fell von King. Dieser war sehr aufmerksam und merkte sofort, wenn mit seinem Freund etwas nicht stimmte.

Die Jahre vergingen. Aus Stephen wurde ein Mann und aus King ein alternder Kater, der am liebsten auf dem Fensterbrett lag, unter dem die Heizung lief. Es kam der Tag, an dem King seinen letzten Atemzug machte. Stephen war unendlich traurig darüber. Er konnte ihn nicht einfach beim Tierarzt lassen und beschloss, ihn heimlich auf dem örtlichen Friedhof zu begraben. Der Vollmond schien und somit war es kein Problem, eine geeignete Stelle zu finden. Er markierte die Stelle mit einem Stein, sodass sie einem Fremden nicht auffiel, aber er sie jederzeit wiederfinden konnte.

Als Stephen am nächsten Tag zur Arbeit fuhr, fiel ihm ein neuer kleiner Spielzeugladen auf, der bis gestern noch nicht da war. Er hielt an, da er seinen Augen nicht trauen konnte: Im Schaufenster lagen die üblichen Kuscheltiere, aber ein Stofftier saß dort, das aussah, als wäre es der leibhaftige King. Dieser wuchtige Kopf, die mächtigen Pranken und das Fell, welches exakt die gleiche Tigermusterung hatte wie das Original. Er betrat den Laden und musste das Stofftier kaufen. Am Abend setzte er dieses in seinem Bett aufs Kopfkissen neben sich. So hatte er das Gefühl, King wäre immer noch bei ihm.

Nach einem Monat, es war wieder eine Vollmondnacht, wachte Stephen schweißgebadet auf. Er hatte einen furchtbaren Albtraum. King hatte seine damaligen Mitschüler angegriffen, die ihn in der Schule gehänselt hatten. Es war grauenvoll. Der Kater hatte jedem Einzelnen aufgelauert und diesen angegriffen. Zuerst sprang er ihnen auf den Rücken und krallte sich darin fest. Er kletterte den Nacken hinauf, biss ihnen in den Kopf und riss die Haare heraus. Die Leute wehrten sich, aber sie hatten keine Chance. King war zu einer wilden Bestie geworden. Er sprang herunter und griff sie von vorn an. Er krallte sich in ihre Gesichter und kratzte ihnen die Augen aus dem Schädel. Es war das reinste Gemetzel. Als sie schreiend auf dem Boden lagen, schlitzte er jedem einzelnen den Bauch mit seinen scharfen Krallen auf, riss die Eingeweide heraus und fraß diese genüsslich, bis ein letztes Zucken den Körper durchfuhr. Als der Letzte im Traum gefressen wurde, wachte Stephen auf. Er war froh, dass das alles nur ein schrecklicher Albtraum gewesen war. Seine Atmung beruhigte sich allmählich wieder und er blickte auf das Kissen neben sich. Da saß nach wie vor sein Stofftier-King, nur etwas war anders … war das etwa Blut an seiner Schnauze … ?


Eine Geschichte, die von einem Autor aus Just for Fun eingereicht wurde, da er am Gewinnspiel aufgrund der Tatsache, dass seine Frau ein Jurymitglied war, teilnehmen dürfte, hätte sonst ebenfalls nach der Gesamtpunktzahl der Jury den ersten Platz gemacht:

Strafe – Autor Timo Koch

Stephen lag mit offenen Augen auf seinem Bett und starte an die Zimmerdecke. Die kleinen, ehemals fluoreszierenden Plastiksterne, die unter der Decke verteilt waren, erinnerten ihn an schönere Jahre. An eine normale Kindheit, voller Glück und Freude. Eine Zeit, die nun so unerreichbar fern zu sein schien.

»Stephen, komm schon! Es wird Zeit für die Schule. Deine Schwester wartet schon«, hörte er die warmherzige Stimme seiner Mutter durch das Haus schallen.

Stephen sah auf sein Smartphone, er war mal wieder zu spät dran. Wiederwillig zwang er sich, aufzustehen. Er war bereits vollständig angezogen, nur seine Tasche fehlte noch. Stephen schnappte sich den schwarzen Armeerucksack und verlies dann sein Zimmer. Wie immer, wartete seine Mutter bereits unten im Flur auf ihn. Sie stand an der Haustür und sah ihn freudig an. Stephen lächelte zurück, warum, wusste er nicht. Sie bekam es eh nicht mit. Obwohl er bereits seit fünf Minuten unterwegs sein sollte, ging er die Treppenstufen langsam und vorsichtig herab, immer darauf bedacht, bloß keinen Krach zu machen. Doch es war vergebens, sein Vater hatte schon auf ihn gewartet.

»Du kommst mal wieder zu spät zur Schule!«, hörte er die schneidende Stimme seines Vaters. Er saß am Küchentisch und las seine verdammte Tageszeitung. Er sah nur kurz den Flur entlang in Stephens Richtung. »Ich weiß nicht, was aus dir noch werden soll. Wieso hat Gott dir nicht ein wenig ›mehr‹ mitgegeben? Nur ein wenig mehr von deiner Mutter, dann wärst du nicht so verdammt nutzlos!«

Diese Worte taten weh, doch Stephen schluckte es herunter. Sein Vater hatte es nicht leicht. Stephen drehte sich wortlos zur Haustür. Seine Mutter sah ihn immer noch freudestrahlend an. »Hab einen schönen Tag, mein Schatz!«

Stephen sah sie an. Ob sie überhaupt etwas von ihrer Umgebung wahrnahm? Stephen unterdrückte den Impuls, sie anzuschreien. Stattdessen öffnete er die Haustür und ging einfach. »Und pass mir ja auf Rachel auf, ja?«, hörte er noch seine Mutter rufen, bevor die Haustür ins Schloss fiel.

Rachel, seine kleine Schwester, stand am Straßenrand und sah ihn böse an. »Immer muss ich auf dich warten! Hmmpf!« Sie stemmte ihre rechte Hand in ihre Hüfte und machte einen übertriebenen Schmollmund. Wie jeden Morgen brachte sie Stephen mit diesem Getue zum Lachen. Sie sah auch zu niedlich aus, in ihrem geblümten Stoffkleid, dem viel zu groß wirkenden Schulranzen auf ihrem Rücken und mit Felix, der grauen Plüsch – Katze, ihrem absoluten Lieblings-Kuscheltier unter ihrem linken Arm. »Sorry, Schwesterchen. Kommt nicht wieder vor.«

Rachel zwinkerte ihm zu. »Ha! Das will ich dir auch geraten haben!« Ihre Mimik hellte sich auf. Sie schaffte es nicht länger, böse zu gucken. Sie beide wussten, dass Stephen log. Seit acht Monaten ging das nun schon jeden Morgen so, und wenn es nach Stephen ging, sollte es bis in alle Ewigkeit so bleiben.

Eine Zeitlang gingen sie beide schweigend nebeneinander her. Stephen liebte es, seiner Schwester zuzusehen, wie sie mit neugierigen Augen die Straße entlang sprang. Alles schien interessant und aufregend für sie zu sein. Doch jeden Morgen kam irgendwann der Zeitpunkt, an dem sie ruhiger wurde. Ob sie wusste, was auf sie zukam?

»Wir sind da«, flüsterte Stephen, als sie die Straßenecke, Brother- und Martin – Luther – King – Street, in der Nähe des alten Friedhofs erreichten.

»Glaubst du, dass Mutter es weiß? Also, ich meine, dass sie tot ist?«, flüsterte Rachel.

Stephen lief eine Träne über seine Wange. »Nein, die Toten wissen das nie. Sie glaubt, sie wäre noch zu Hause und alles wäre gut«, ergänzte er leise. Dies war seine Strafe.

»Warum hat sie sich umgebracht?«, fragte Rachel neugierig.

»Weil ich nicht auf dich aufgepasst habe«, schluchzte Stephen.

»Das ist doch nicht schlimm, mir geht es doch gut!«, lachte Rachel. Plötzlich drehte sie sich um und rannte unvermittelt auf die Straße. »Sieh nur, ein Rotkehlchen!«, rief sie noch, bevor der Schulbus sie erfasste und ihren kleinen Körper zerschmetterte.

Ein kurzer Schrei und dann war es vorbei. Die gelbliche Silhouette des Busses verblasste. Als er verschwunden war, stand Rachel in ihrem geblümten Kleid auf der Straße und lächelte ihn an. »Sei nicht traurig Bruderherz, mir geht es doch gut«, flüsterte sie, als sich auch ihr Körper in Luft auflöste.

»Bis morgen, Schwesterchen«, antwortete Stephen traurig. Dies war seine Strafe.

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